Kriegsdienstverweigern? Wie helfen und beraten!

Wiedereinführung der neuen Wehrpflicht. Alle 18jährigen werden demnächst von der Bundeswehr angeschrieben und erfasst. Sie müssen sich spätestes dann mit der Frage auseinandersetzen: Will ich im Ernstfall Soldat sein, töten und getötet werden, oder werde ich das im Grundgesetz verankerte Recht auf Kriegsdienstverweigerung in Anspruch nehmen. Der Friedenskreis bietet allen jungen Männern, auch denen, die jetzt Soldat oder Reservist sind, in der Frage Kriegsdienstverweigerung Beratung an.  

Wir beraten gerne: Beratung KDV

Jahresprogramm des FK 1/26

27.1. – Holocaust-Gedenken —
8.3. – 16 Uhr Friedenslieder singen —
Ostern – Ostermarsch —
8.7. – Hissen der Bürgermeister-für-den-Friedenflagge—
Herbst: Vortrag: Sicherheit neu denken

Havixbeck. Mit Sorgen, aber nicht entmutigt sehen die Mitglieder des Friedenskreises Havixbeck (FK) in die Zukunft. Ausführlich diskutierten sie auf ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr über die gegenwärtige Situation. Christa Degemann-Lickes: „Es ist besorgniserregend, wie im Moment Demokratie, Freiheit und Frieden gefährdet sind. Grundsätzliche Rechte und Regelungen, wie sie einst in der Charta der Vereinten Nationen festgelegt wurden, scheinen weder in Ost noch in West mehr Gültigkeit zu haben. Das ist eine ernsthafte Bedrohung.“  Und die Antwort auch der deutschen Politik darauf sei, Abschreckung, Aufrüstung und noch mehr Einschränkungen für Randgruppen wie Geflüchtete und Bürgergeldempfänger. Der Friedenskreis Havixbeck will nicht nur kritisieren, sondern positive Alternativen dieser Entwicklung gegenüber- und zur Diskussion stellen. Klaus-Gerd Greiff vom Friedenskreis: „Wir wollen Sicherheit neu denken. Wie kann in Europa eine neue Sicherheitsarchitektur entstehen, wie kann Europa eine positive neue Rolle für den Frieden in der Welt übernehmen!“  So legten die Mitglieder des FK ihr Programm für die erste Hälfte 2026 an. Am 8.3. lädt der Friedenskreis um 16 Uhr zu einem Friedenslieder-Nachmittag in die Evangelische Kirche Havixbeck ein. Dort – am internationalen Frauentag – können nicht nur Frauen ins Gespräch kommen: Wie kann Frieden entstehen und gesichert werden? Im Mittelpunkt steht jedoch das gemeinsame Singen. Wenig später wird der Friedenskreis zur Teilnahme am diesjährigen Ostermarsch aufrufen. Das Motto: „Nicht Kriegstüchtigkeit, Friedensfähigkeit ist unsere Devise!“ Im Aufruf zu dieser Demonstration werden konkrete Vorschläge gemacht. Im Juli laden Bürgermeister Möltgen und der Friedenskreis wieder zum Flaggentag ein. Eine der wichtigsten Forderungen sei immer noch die Abschaffung aller Atomwaffen, betonte Roger Reinhard. Am 8. Juli wird die „Bürgermeister für den Frieden-Flagge“ am Rathaus gehisst. Sie weist darauf hin, der der Internationale Gerichtshof den Besitz und die Anwendung von Atomwaffen als Unrecht bewertet hat.

Schon am 27.1. – am Holocaustgedenktag – lädt der FK zum Gedenken an die aus Havixbeck deportierten Juden ein. Vor einem Jahr war die Gemeinde Havixbeck dem Riga-Komitee beigetreten. Die meisten Juden aus Westfalen wurden nach Riga deportiert und dort ermordet. Eine Beitrittsfeier zum Riga-Komitee ist in Planung. Im Frühjahr werden auch Mitglieder des FK an einer Fahrt nach Riga teilnehmen und dort für die Gemeinde Havixbeck Blumen niederlegen.

Für den Herbst plant der FK eine große Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Ralf Becker, dem Koordinator der Initiative „Sicherheit neu denken!“

Bleibt noch der Punkt: Wiedereinführung der neuen Wehrpflicht. Alle 18jährigen werden demnächst von der Bundeswehr angeschrieben und erfasst. Sie müssen sich spätestes dann mit der Frage auseinandersetzen: Will ich im Ernstfall Soldat sein, töten und getötet werden, oder werde ich das im Grundgesetz verankerte Recht auf Kriegsdienstverweigerung in Anspruch nehmen. Der Friedenskreis bietet allen jungen Männern, auch denen, die jetzt Soldat oder Reservist sind, in der Frage Kriegsdienstverweigerung Beratung an.  

Der Friedenskreis tagt auch in diesem Jahr in regelmäßigen Abständen. Wer sich engagieren möchte oder einfach die Arbeit auch nur finanziell und ideell unterstützen möchte, kann den Kreis kontaktieren:  www.friedenskreis.de

Foto:

Auf ihrer ersten Sitzung plante der Friedenskreis Veranstaltung und Aktion für die erste Hälfte 2026. Hier der Vorstand vlnr.: Roger Reinhard, Klaus-Gerd Greiff, Robert Hülsbusch und Vorsitzende Dr. Christa Degemann-Lickes.

Mit freundlichen Grüßen Robert Hülsbusch


50 000 000 Tote – Wann wird man je verstehen?

Lesung und Vortrag aus einem Antikriegsroman – mit Günter Sehrbrock

Havixbeck. „Krieg darf es nicht mehr geben! Krieg bedeutet nur Tod, Blut und Schmerzen!“ Der Sonntagnachmittag wurde ein einziger leidenschaftlicher Appell! Der Friedenskreis an der Anne-Frank-Gesamtschule Havixbeck hatte aus Anlass des Anti-Kriegstages am 1. September Günter Sehrbrock aus Münster eingeladen. Da saß er nun – einen Tag vor

seinem 100. Geburtstag, sprach berührend und eindrucksvoll zu den rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörern in der Schul- und Gemeindebibliothek, mal leise und nachdenklich, dann wieder kräftig und laut. Er hat den Krieg als junger Soldat selbst erlebt, hat seine schrecklichen Erfahrungen in seinem neuen Buch „50 000 000“ einfließen lassen. Insofern ist es ein authentisches Buch, wenn auch fiktional. Günter Sehrbrock schilderte zu Beginn des Nachmittags lebendig sein bewegtes Leben. 13-mal sei er umgezogen. Beruflicher Höhepunkt war für ihn, als er als Architekt im Bayerischen Wald eine mittelalterliche Ruine ausgrub und diese für Besucher zugänglich machte. Sehrbrock: „Dann kam der Überfall Russlands auf die Ukraine. Ich habe fest geglaubt, mein Leben würde im Frieden zu Ende gehen. Doch nun kamen wieder die Bilder, die Bilder aus meinem eigenen Soldatenleben, die Bilder aus der Ukraine, als ich dort als Wehrmachtssoldat war.“ Kurz musste Günter Sehrbrock schlucken, konnte sein Berührtsein kaum verstecken. „Da wusste ich, ich musste schreiben! Es war meine Pflicht! Alle sollen wissen, wie es ist, Soldat im Krieg zu sein, an der Front, in den Schützengräben!“ In der aktuellen Diskussion um den Krieg in der Ukraine werde viel zu viel über Strategien und Waffenlieferungen geredet. Was er vermisse? „Kein einziges Wort über die Soldaten in diesem Krieg!“ Mit Absicht hätte er das Buch „sehr krass“ geschrieben, nichts geschönt, die Leser würden nicht geschont. Da werde auch heute von „Schlachtfeldern“ gesprochen, vom „Blutzoll“, der bezahlt werden müsse. Sehrbrock: „Das ist kein einfaches Sterben an der Front! Nicht wie zuhause. Und vergessen wir nicht: Zu jedem toten Soldaten gibt es eine weinende Mutter. Das ist so furchtbar! Und nicht nur die ukrainischen Mütter weinen um ihre Söhne, auch die russischen.“ Sein Traum: Viele Menschen, auch und besonders junge, sollten dieses Buch lesen. Er wolle aufrütteln, wachmachen: „Krieg ist immer ein großes Morden!“ Andreas Raub, Begleiter und Mitarbeiter von Günter Sehrbrock, las dann aus dem Buch. Beschrieben wird das Schicksal von fünf jungen Menschen, Jugendliche, die froh und glücklich waren, bis der Krieg ihnen das Leben nahm. Zum Beispiel Alexander Witte, der als Infanterist die Krim mit eroberte, dann seine letzten Kräfte im Häuserkampf von Stalingrad verlor, dort in russischer Kriegsgefangenschaft kam und schwer arbeiten musste und sich so sehr sehnte, nach Hause zu seinen Eltern und zu seiner Verlobten Irene zu kommen. Mit einem Viehwaggon ging es nach Jahren zurück gegen Westen. Dort kam er nie an. Seine Kräfte verließen ihn ganz zum Schluss. Einsam und verwirrt starb er auf dem Transport. Sein letztes Bild: Irene. Mit der Trompete verstand es Jonathan Wolter zum Schluss und immer wieder zwischendurch eine ruhige und nachdenkliche Atmosphäre zu erzeugen.  

Bürgermeister Jörn Möltgen hatte zu Beginn den besonderen Gast herzlich begrüßt. „Wir sind so froh, dass Sie nach Havixbeck gekommen sind – mit der wichtigen Botschaft: Krieg darf es nicht mehr geben!“ Auch Christa Degemann-Lickes, Vorsitzende des Friedenskreises, dankte Günter Sehrbrock und endete mit einem Brecht-Zitat aus dem Jahr 1952: „Lasst uns das 1000mal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde… Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind.“

Alle Bücher, die die Buchhandlung Janning mitbrachte, wurden verkauft.
Weitere Bücher sind in der Buchhandlung zu haben: 
Günter Sehrbrock: 50 000 000 – Antikriegsroman, Agenda-Verlag Münster, 2023, 242 Seiten, 19.90 Euro.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Hülsbusch

Deine Familie im Zweiten Weltkrieg

80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges

Die Geschichten

„Schreiben Sie Ihre Geschichte! Wie hat Ihre Familie diesen Weltkrieg erlebt und erlitten?
Wie wirkt der heute noch nach?“

Havixbeck. Mit dem Schweigen der Waffen hört der Krieg nicht auf. Auch 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist dieser in vielen Familien noch präsent. Die Großeltern oder Eltern haben ihn erlebt. Haben darüber geschwiegen oder gesprochen. Die nächste Generation hat dieses aufgenommen. Wichtig ist – sagen Psychologen, dass darüber gesprochen wird, dass man gemeinsam darüber redet. Dies möchte der Friedenskreis an der Anne-Frank-Gesamtschule zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges ermöglichen. „Gedanken, Erinnerungen, Geschichten – persönliche Erfahrungen mit dem Zweiten Weltkrieg“, heißt die Geschichten-Aktion, zu die der Friedenskreis einlädt. Jeder – alte Menschen und Kriegskinder, die Nachkriegskinder und auch ganz junge Leute, die den Krieg nur vom Hören oder Sagen kennen, können ein paar Sätze, gerne auch eine ausführliche Schilderung und Erzählung aufschreiben: Was hat Ihre Familie erlebt, wie haben Sie als Nachkriegsgeneration die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges erlebt, wie wirkt dieser bis heute nach?“  In der Einladung formuliert der Friedenskreis auch Leitfragen, die beim Schreiben eines Textes behilflich sein können:

Erstens: Was weißt du über die Kriegserlebnisse und Kriegserfahrungen deiner Elterngeneration/Großelterngeneration? Was hast du gehört? Was haben dir deine Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel…  erzählt? 

Zweitens: Wie hat der Zweite Weltkrieg deren Leben geprägt? Mit welchen Folgen mussten sie leben? Wie haben die Kriegserlebnisse und deren Folgen für deine Elterngeneration dich beeinflusst?

Drittens: Wie hast du diese erlebt? Wie haben sie dich geprägt?  Was für Auswirkungen hat dies heute noch auf dich?

Am 8. Mai lädt der Friedenskreis zu einem Gesprächskreis um 19 Uhr in die Schul- und Gemeindebibliothek Havixbeck ein. Dort kann – wer mag – seinen Text vortragen. In einer ruhigen Runde besteht die Möglichkeit miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Texte können auch – vorausgesetzt eine Einwilligung liegt vor – auf einer Sonderseite der Homepage des Friedenskreises veröffentlicht werden.  Die Texte bitte bis spätestens Ende April an die Vorsitzende des Friedenskreises Dr. Christa Degemann-Lickes (christadegemann@web.de) schicken.. Auch das Einbinden von Fotos ist möglich.

Die Aktion führt der Friedenskreis Havixbeck in Zusammenarbeit mit der Friedensinitiative Nottuln durch.

www.friedenskreis.de

Beitritt der Gemeinde Havixbeck zum Riga-Komitee

Havixbeck. Auch die Gemeinde Havixbeck wird dem Riga-Komitee beitreten. Schon vor ein paar Wochen stellte der Friedenskreis an der Anne-Frank-Gesamtschule diesen Antrag, der im Gemeinderat wohlwollend aufgenommen wurde. Der Wortlaut: „Havixbeck tritt dem Riga-Komitee bei – getragen von dem Willen, die Erinnerung an die ermordeten Bürgerinnen und Bürger dauerhaft zu bewahren und ihrer zu gedenken, in der Überzeugung, dass die Gräber- und Gedenkstätte Riga einen bedeutenden, die Heimatstädte umschließenden, zeitgeschichtlichen Beitrag leistet, mit dem Ziel, den auf einer langen gemeinsamen Geschichte beruhenden Beziehungen unserer beiden Länder, ihrer weiteren Entwicklung und dem Frieden in Europa zu dienen.“
Zu dem Hintergrund dieses Antrags lud nun der Friedenskreis alle Mitglieder des Gemeinderates und alle Bürgerinnen und Bürger ein.
Bürgermeister Jörn Möltgen begrüßte alle TeilnehmerInnen.

Christa Degemann-Lickes, Vorsitzende des Friedenskreises, erinnerte an das Schicksal der Familie Gerson aus Havixbeck.

Mit einem Lichtbildvortrag mit anschließendem Gespräch erzählte Winfried Nachtwei die Geschichte der Deportationen nach Riga.

Georg Schulze Bisping, lange für die CDU im Nottulner Gemeinderat, berichtete eindrucksvoll von seinen ersten Reisen nach Riga. Schulze Bisping ist der Riga-Beauftragte der Gemeinde Nottuln.

Am 13. Dezember 1941 verließ ein Deportationszug mit 390 jüdischen Frauen, Männern und Kindern aus dem Münsterland den Güterbahnhof in Münster. Mit dabei auch der Havixbecker Kurt Gerson. Nachdem in Osnabrück 200 und in Bielefeld 420 weitere Menschen in den Zug gezwungen worden waren, fuhr er Richtung Riga. Dort, im „Reichsjudenghetto“, im KZ Salaspils und Wald von Bikernieki begann der Massenmord an den jüdischen Menschen aus dem Münsterland, aus Westfalen und anderen Teilen Deutschlands. In Riga starben die weitaus meisten der über 170 Holocaustopfer des Kreises Coesfeld.
In den Tagen zuvor waren Züge mit jeweils 1000 Menschen aus Berlin, Nürnberg, Stuttgart, Hamburg, Köln, Kassel und Düsseldorf nach Riga gefahren, am 15. Dezember folgte ein Zug aus Hannover, am 27. Januar 1942 einer aus Dortmund.
Ihr Schicksal war über fast fünf Jahrzehnte weitgehend unbekannt. Die vielen Massenmörder und Helfershelfer kamen überwiegend ungeschoren davon.
1989 stieß der damalige Dülmener Geschichtslehrer Winfried Nachtwei im noch sowjetisch besetzten Riga auf die Spuren der Deportierten und lernte Überlebende von Ghetto und KZ kennen.

In seinem illustrierten Vortrag folgte Nachtwei den Spuren der Verschleppten im deutsch-besetzen Riga und dem Schicksal der wenigen Überlebenden nach Kriegsende. Als Bundestagsabgeordneter setzte sich der Referent für eine würdige „Entschädigung“ der Holocaust-Überlebenden in Osteuropa ein, die 1998 endlich durchgesetzt werden konnte.

Am Beispiel des Massengräberfeldes und der Gedenkstätte im Wald von Bikernieki schilderte Nachtwei, wie nach Jahrzehnten die Erinnerung aufbrach. Eine zentrale Rolle hatte dabei der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und das Deutsche Riga-Komitee, in dem sich inzwischen 57 Herkunftsorte der Riga-Deportationen zu einem einzigartigen Netz der Erinnerung zusammengefunden haben. In Workcamps des Volksbundes kommen alljährlich junge Leute aus Deutschland, Österreich, Lettland und anderen Ländern zusammen, um die Gedenkstätte zu pflegen und Erinnerung lebendig zu halten.
Der Vortrag verdeutlichte aber auch, wie schwierig es im Baltikum ist, vor dem Hintergrund von 50 Jahren wechselnden Okkupationen zu einer gemeinsamen Erinnerungskultur zu kommen.

Winfried Nachtwei war 1994-2009 Bundestagsabgeordneter der Grünen und heute u.a. im Vorstand von „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“ und der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen/DGVN tätig.


Foto: Im Juni 2023 fuhr eine Nottulner Delegation nach Riga (links: Georg Schulze Bisping), um dort an dem Gedenkstein „Nottuln“ Blumen niederzulegen. Georg Schulze Bisping wird von dieser beeindruckenden Reise berichten.

Roger Reinhard: „Nie wieder ist jetzt!“

„Nie wieder ist heute!“ Der Friedenskreis an der Anne-Frank-Gesamtschule gestaltete das Gedenken zum Volkstrauertag 2023

Nachdem Bürgermeister Jörn Möltgen Worte der Begrüßung gesprochen hatte, las Klaus-Gerd Greiff, FK, den traditionellen Text zum Totengedenken vor: „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker!“ Die Ansprache zum diesjährigen Gedenken hielt Roger Reinhard. Sein ganzes Leben hat sich Reinhard für Frieden und Gerechtigkeit engagiert. Als Kind hat er noch den Zweiten Weltkrieg miterlebt, auch die Nachkriegszeit und die Traumatisierung einer ganzen Generation. „Dieser Krieg steckt mir noch in den Knochen“, weiß Roger Reinhard zu berichten. Und so machte er sich ganz persönliche Gedanken zum Thema Krieg und Frieden, stellte viele Fragen – immer auch auf der Suche nach einer Umsetzung der festen Überzeugung nach diesem fürchterlichen Krieg: „Nie wieder!“ Sorgen machte sich Reinhard, dass die jungen Generation, auch viele Politikerinnen und Politiker, die den Krieg nicht mehr miterlebt haben, heute etwas zu leichtfertig vom „Kämpfen“ und „Siegen“ reden. Ähnlich hatte sich auch schon mal Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt geäußert und gefordert: „Lieber tausend Stunden verhandeln als eine Stunde aufeinander schießen!“ Nach den nachdenklichen Gedanken trug Robert Hülsbusch, FK, das Lied „Es ist an der Zeit!“ von Hannes Wader vor, Dr. Christa Degemann-Lickes, Vorsitzende der FK, zitierte aus dem Tagebuch der Anne Frank Passagen, die zeigen: „Wir dürfen niemals die Hoffnung aufgeben.“ Den musikalischen Rahmen übernahmen der Chor Cantate und die Musikschule Havixbeck. Mit der Kranzniederlegung und der Nationalhymne und der Europahymne endete das Gedenken an der kleinen Kapelle am Friedhof.

Lieder zum Jahrestag der Pogromnacht 2023

Nur die Lieder

Das ganze Konzert

Havixbeck. Aus Anlass des 85. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 lud der Friedenskreis an der AFG gemeinsam mit der VHS und der Schul- und Gemeindebibliothek am Sonntag, den 12. November zu einem Konzert mit dem Titel „Lieder der Verfolgten“ in die Bibliothek der AFG ein. Jonas Höltig und Tassilo Rinecker, trugen Lieder von Juden, Sinti und Roma, Jugendbewegungen, politisch Verfolgten, Zeugen Jehovas sowie in Konzentrationslagern entstandene Lieder vor..
Jonas Höltig und Tassilo Rinecker erzählen die packenden, traurigen und hoffnungsvollen Geschichten der Lieder und ihrer Komponisten. Dadurch findet eine bewegende Auseinandersetzung mit der individuellen Verfolgung statt. Das facettenreiche Programm stellt die Totalität der nationalsozialistischen Verfolgung dar, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
Die beiden Künstler machen seit vielen Jahren gemeinsam programmatische Musik. Durch das Singen von Liedern von Verfolgten und das Erzählen ihrer Geschichte wollen sie der Opfer des Nationalsozialismus gedenken und ein Zeichen für eine positive Erinnerungskultur setzen.

Jüdische Märchen mit Witz, Weisheit und Klezmer-Musik

Sonntag, 6.11. 2022 11 Uhr Schul- und Gemeindebibliothek

In Havixbeck erinnern, wie in vielen anderen Städten und Gemeinden ebenso, Stolpersteine an das erschütternde Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger. Eine kleine Stele an der Hauptstraße mahnt zudem das Gedenken an das jüngste Opfer an, Yvonne Gerson, die mit vier Jahren deportiert wurde. Sie war sechs Jahre alt, als sie in Auschwitz ermordet

wurde.

Anlässlich des bevorstehenden Jahrestages der Novemberpogrome im Jahre 1938 lädt der Friedenskreis an der Anne-Frank-Gesamtschule gemeinsam mit der Volkshochschule sowie

der Schul- und Gemeindebibliothek zu einer besonderen Matinée ein: zu Sonntag, dem 6. November, 11 Uhr, in der Schul- und Gemeindebibliothek. Der Eintritt ist frei.

Nach dem Gedenken an die leidvolle Geschichte der Opfer aus Havixbeck wollen die Veranstalter an die Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur erinnern. Denn mit dem Versuch der Natio-nalsozialisten, diese in Europa auszulöschen, drohte auch das Wissen um eine reichhaltige Kultur unterzugehen.

Die Märchenerzählerin Brigitte Balmer Landwehr aus Nottuln hat sich intensiv mit einem Teil

dieser Kultur befasst; sie wird Beispiele aus dem reichen Fundus der jüdischen Märchenwelt frei zum Besten geben. Die meisten dieser Texte stammen aus dem israelischen „Folktales Archive“. Sie beeindrucken durch Witz und Weisheit, Fantasie und Fabulierkunst. Dazu wird Jutta Schmalenbach gefühlvolle Klezmer-Musik vortragen, teils auf ihrer Querflöte, teils mit Gesang. Die Besucherin-nen und Besucher dürfen sich auf eine ganz besondere, berührende Vormittagsveranstaltung

freuen.

Die Veranstaltung findet unter Berücksichtigung aktueller Corona-Regeln statt. Auf Grund der

begrenzten Teilnehmerzahl empfiehlt sich eine telefonische Anmeldung bei der VHS Havixbeck (Telefon 02507/ 33 112) oder online unter  www.vhs-havixbeck.de, bis zum 4. November.

„Heinrich Böll und die Menschlichkeit“

Vortrag mit René Böll,     Sohn des Literaturnobelpreisträgers

13. Mai 2022       um 11.30 Uhr
in der Evangelischen Kirche, Schulstraße, Havixbeck

René Böll kommt nach Havixbeck und wird einen Vortrag über seinen Vater, seine Familie und deren Engagement für die Menschlichkeit halten. Der Sohn des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll, Jahrgang 1948, selbst bildender Künstler in Köln und mit vielen Ausstellungen präsent, ist in Erbengemeinschaft mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Vincent Böll der Rechtsnachfolger von Heinrich Böll und sein Nachlassbetreuer. 

Heinrich Böll, Jahrgang 1917, war als ein Autor bekannt, dessen eigene Erlebnisse als junger Soldat im Zweiten Weltkrieg großen Einfluss auf sein weiteres Werk haben sollten. Viele Menschen werden bereits in der Schulzeit einige seiner von tiefer Menschlichkeit und unbestechlichem Engagement für soziale Gerechtigkeit geprägten Erzählungen kennengelernt haben, wie z.B. die Kurzgeschichte „Wanderer, kommst du nach Spa…“, der ergreifenden Geschichte eines jungen Soldaten, dessen sinnlose, kriegsbedingte Verkrüppelung den Wahnsinn des Krieges verdeutlicht. Der Wunsch nach Aussöhnung und Völkerverständigung gehörte zu Bölls Anliegen. Er setzte sich kritisch mit dem Nationalsozialismus sowie den nationalen und internationalen Entwicklungen nach dem Krieg auseinander. Dabei schaute er stets aufmerksam über den Tellerrand und verwies u.a. auch auf Menschenrechtsverletzungen in der damaligen Sowjetunion.

Viele kennen Titel wie „Billard um halb zehn“, „Irisches Tagebuch“, „Ansichten eines Clowns“, „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ u.a.m. Bölls Werke fanden im In- und Ausland zahlreiche Leser. Der Autor wurde vielfach geehrt, wie z.B. mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln, dem Georg-Büchner-Preis und der Carl-von-Ossietzky-Medaille. 1972 erhielt Heinrich Böll den Literaturnobelpreis. Am 10. Dezember 2022 wird sich diese Ehrung zum 50. Male jähren.

René Böll hat in seinem Vortrag die gesamte Familie Böll im Blick:

„Heinrich Bölls und seiner Familie jahrzehntelanger Kampf für Menschlichkeit“

Dazu erläutert der Referent:
„Heinrich Böll und seine Familie waren unabhängig im Denken, sie gehörten weder zur Rechten noch zur Linken und konnten sich für die Freiheit verfolgter Menschen und für die Freiheit der Kunst sowohl in der UdSSR als auch in Chile zu Zeiten des Pinochet-Regimes glaubhaft einsetzen. Deswegen gerieten sie ins Visier der Stasi und des bundesrepublikanischen Verfassungs­schutzes, der westdeutschen Behörden, Politiker und großer Teile der Presse, scheuten kein Risiko und waren ungeheuren Diffamierungen ausgesetzt, hatten aber auch großen Zuspruch.“

René Böll berichtet anhand von Dokumenten und Fotos mit einem PowerPoint-Vortrag.

Der Eintritt ist frei. Es wird um eine Spende für Unicef, für afghanische und ukrainische Kinder, gebeten.

Der Friedenskreis bittet darum, Masken zu tragen.                                                    

Havixbeck: „Stoppt den Krieg“

Die Gemeinde Havixbeck hat am Donnerstagabend ein starkes Zeichen der Solidarität und für den Frieden gesetzt. Rund 300 Bürgerinnen und Bürger versammelten sich auf dem Willi-Richter-Platz vor dem Rathaus zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich des von Russland begonnenen Krieges gegen die Ukraine. Viel Applaus erhielt ein Familienvater aus der Ukraine, der sich ausdrücklich für diese Solidarität bedankte und betonte, wie stolz er auf die Gemeinde sei.

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Den Krieg nicht einfach hinnehmen, nicht sprachlos werden, ein Zeichen setzten – diese Gedanken führten am Donnerstag auch in Havixbeck zu der Initiative für eine Gedenkveranstaltung. Bürgermeister Jörn Möltgen für die politische Gemeinde Havixbeck, die beiden christlichen Kirchengemeinden, der Friedenskreis Havixbeck-Billerbeck sowie nicht zuletzt die Anne-Frank-Gesamtschule verständigten sich auf eine abendliche Gedenkfeier und informierten Bürger und Gruppen über unterschiedlichste Kanäle. Dass sich dann rund 300 Menschen vor dem Rathaus versammelten, freute alle sehr.

about:blankHavixbecker mahnen zum Frieden 1/9

Verstoß gegen das Völkerrecht

Nach einer musikalischen Einstimmung durch Manfred Wordtmann am Saxofon ergriff Bürgermeister Jörn Möltgen das Wort. Er dankte für die große Anteilnahme der Havixbecker Bürger und verurteilte im weiteren Verlauf den Krieg und auch den russischen Präsidenten, „der zum wiederholten Male gegen Völkerrecht verstoßen hat und sich anschickt, sich in die Reihe der Kriegsverbrecher einzugliedern“.

„Für die Menschen in der Ukraine ist es wichtig, dass wir Solidarität zeigen. Auch bei uns leben viele Ukrainerinnen und Ukrainer, denen unsere Solidarität bei ihren Sorgen um die Familien in ihrer alten Heimat hilft“, betonte der Bürgermeister. Man dürfe auch nicht die Menschen russischer Herkunft vergessen, die entsetzt über die Geschehnisse seien . „Von hier soll heute ein Zeichen ausgehen, dass wir in Frieden mit allen Menschen leben möchten, in der Ferne und hier bei uns“, schloss Möltgen unter Beifall.

Nicht sprachlos werden

Für den Friedenskreis sprach Dr. Christa Degemann-Lickes. Sie erinnerte an die vielen Opfer des II. Weltkrieges. Die Menschen in Russland wüssten, was Krieg bedeutet. Wie bitter sei es nun, das ausgerechnet von Russland ein Krieg geführt werde. Trotz Entsetzens und Fassungslosigkeit dürfe man nicht sprachlos werden und müsse sich für ein Ende des Krieges einsetzen. Ausdrücklich warnte Degemann-Lickes dabei vor einer Reaktion „Auge um Auge“.

Botschaft des Friedens möge Gehör finden

Für die beiden christlichen Kirchengemeinden sprach Pfarrer Dr. Oliver Kösters, der sich von der großen Teilnahme und vor allem von den vielen Kindern überwältigt sah. Die Kinder seien ein Zeichen der Hoffnung, sie würden einmal die Welt gestalten. Kösters nannte es einen Wahnsinn, dass sich Christen bekriegen, und drückte seine Hoffnung aus, dass die Botschaft des Friedens doch noch Gehör findet.

Solidarität mit den Menschen in der Ukraine

Dr. Thorsten Habbel, Leiter der Anne-Frank-Gesamtschule, berichtete, es gebe zwar keine Schüler, aber Eltern mit ukrainischen Wurzeln. Mit ihnen habe er am Donnerstag gesprochen – „es waren die schwierigsten Telefonate“. Als er von dem Wunsch dieser Eltern nach einem Zeichen der Solidarität berichtete, kam spontaner Beifall auf. Den gab es auch, als Habbel von einer Schülerin mit russischen Wurzeln berichtete. Sie habe ihm eine Mail geschrieben: „Dieser Präsident ist nicht mein Präsident.“

In Form einer offenen Mikrofon-Runde schilderten weitere Anwesende, zum Teil sehr von den Ereignissen aufgewühlt, ihre Gedanken. Als sichtbares Zeichen der Solidarität und als Appell zum Frieden wurden am Rathaus neben der Mayors-for-Peace-Fahne auch die Europa-Fahne und die regenbogenbunte Friedensfahne gehisst.

Eine Gedenkminute, ein kurzes Spiel von Manfred Wordtmann, still gingen anschließend die Menschen durch die nasskalten Regenschauer in ihre Häuser und Wohnungen zurück.