Stolperstein-App für Havixbeck

AFG-SchülerInnen putzen Stolpersteine und zündeten virtuell Kerzen an.

Die neue Stolperstein-App des WDR

Foto:  Mit der neuen App besuchten Schülerinnen und Schüler der AFG zusammen mit ihrer Lehrerin Katrin Blumenthal die Stolpersteine in Havixbeck und entzündeten virtuell Kerzen.

Havixbeck. Am Donnerstag findet – wie jedes Jahr – der Holocaust-Gedenktag statt. Grund genug für Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule Havixbeck-Billerbeck (AFG) zusammen mit ihrer Lehrerin Katrin Blumenthal am vergangenen Montag die Stolpersteine in Havixbeck aufzusuchen und diese zu reinigen. Mit dabei auch Robert Hülsbusch, ehemaliger AFG-Lehrer und Pate der „Schule ohne Rassimus“. Und dann zündeten die Schülerinnen und Schüler jeweils eine virtuelle Kerze an, in Erinnerung an das Schicksal der Havixbecker, die alle zu guter Letzt in ein Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden. Eine virtuelle Kerze – wie geht das?  Möglich wird dies durch die neue Stolperstein-App des WDR. Seit ein paar Tagen ist diese freigeschaltet und verbindet alle 15.000 Stolpersteine, die im Land NRW verlegt sind, miteinander zu einem großen Erinnerungsprojekt.  Neben biografischen Texten, die teilweise auch als Audios zur Verfügung stehen, dienen historische Fotos, Mini-Hörspiele und Videos aus dem WDR-Archiv dazu, die Geschichte der Opfer, ihrer Wohnorte und ihrer Zeit so gut wie möglich nachvollziehbar zu machen. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler über diese App zum Beispiel, dass das junge Mädchen Yvonne Gerson von einer netten Nachbarin immer abends abgeholt wurde. Dann konnte es endlich das Haus verlassen und frei spielen. Eine weitere Nachbarin jedoch verriet diese solidarische Aktion. Die Nazis beendeten diese. Im Herbst 1944 wurde die Sechsjährige zusammen mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert und direkt nach ihrer Ankunft umgebracht. Ähnlich erging es Sybilla Schmitz.  Tante „Billa“, wie alle die ältere Frau nannten, durfte, als die Nazis an die Macht kamen, nicht mehr in Haushalten arbeiten und hatte kaum Einkünfte. Bis 1940 konnte sie durch die Unterstützung einiger Familien ihren Lebensunterhalt sichern. Dann musste sie in eines der „Judenhäuser“ in Essen ziehen. Letztendlich wurde sie ins Vernichtungslager Treblinka gebracht und kurz nach ihrer Ankunft in der Gaskammer ermordet. 

All dies erzählt die neue App, zeigt auch Fotos und lässt mit einem Hörspiel das Leben der Eichwalds in der Bergstraße lebendig werden. Die Informationen aus Havixbeck kommen von Dagmar Wissel-Hingler, ehemalige Lehrerin an der AFG. Diese recherchiert zurzeit ausführlich das Schicksal der Juden in Havixbeck. Wer noch weitere Informationen und vor allem auch Fotos über die NS-Zeit in Havixbeck und über das Schicksal der jüdischen Menschen aus Havixbeck hat oder wer Fehler korrigieren möchte, kann sich an den Friedenskreis wenden:  info@fi-nottuln.de

Weitere Informationen zur App stehen auf der Nottulner Seite.  www.fi-nottuln.de    

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