Deine Familie im Zweiten Weltkrieg

80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges

Die Geschichten

„Schreiben Sie Ihre Geschichte! Wie hat Ihre Familie diesen Weltkrieg erlebt und erlitten?
Wie wirkt der heute noch nach?“

Havixbeck. Mit dem Schweigen der Waffen hört der Krieg nicht auf. Auch 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist dieser in vielen Familien noch präsent. Die Großeltern oder Eltern haben ihn erlebt. Haben darüber geschwiegen oder gesprochen. Die nächste Generation hat dieses aufgenommen. Wichtig ist – sagen Psychologen, dass darüber gesprochen wird, dass man gemeinsam darüber redet. Dies möchte der Friedenskreis an der Anne-Frank-Gesamtschule zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges ermöglichen. „Gedanken, Erinnerungen, Geschichten – persönliche Erfahrungen mit dem Zweiten Weltkrieg“, heißt die Geschichten-Aktion, zu die der Friedenskreis einlädt. Jeder – alte Menschen und Kriegskinder, die Nachkriegskinder und auch ganz junge Leute, die den Krieg nur vom Hören oder Sagen kennen, können ein paar Sätze, gerne auch eine ausführliche Schilderung und Erzählung aufschreiben: Was hat Ihre Familie erlebt, wie haben Sie als Nachkriegsgeneration die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges erlebt, wie wirkt dieser bis heute nach?“  In der Einladung formuliert der Friedenskreis auch Leitfragen, die beim Schreiben eines Textes behilflich sein können:

Erstens: Was weißt du über die Kriegserlebnisse und Kriegserfahrungen deiner Elterngeneration/Großelterngeneration? Was hast du gehört? Was haben dir deine Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel…  erzählt? 

Zweitens: Wie hat der Zweite Weltkrieg deren Leben geprägt? Mit welchen Folgen mussten sie leben? Wie haben die Kriegserlebnisse und deren Folgen für deine Elterngeneration dich beeinflusst?

Drittens: Wie hast du diese erlebt? Wie haben sie dich geprägt?  Was für Auswirkungen hat dies heute noch auf dich?

Am 8. Mai lädt der Friedenskreis zu einem Gesprächskreis um 19 Uhr in die Schul- und Gemeindebibliothek Havixbeck ein. Dort kann – wer mag – seinen Text vortragen. In einer ruhigen Runde besteht die Möglichkeit miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Texte können auch – vorausgesetzt eine Einwilligung liegt vor – auf einer Sonderseite der Homepage des Friedenskreises veröffentlicht werden.  Die Texte bitte bis spätestens Ende April an die Vorsitzende des Friedenskreises Dr. Christa Degemann-Lickes (christadegemann@web.de) schicken.. Auch das Einbinden von Fotos ist möglich.

Die Aktion führt der Friedenskreis Havixbeck in Zusammenarbeit mit der Friedensinitiative Nottuln durch.

www.friedenskreis.de

Beitritt der Gemeinde Havixbeck zum Riga-Komitee

Havixbeck. Auch die Gemeinde Havixbeck wird dem Riga-Komitee beitreten. Schon vor ein paar Wochen stellte der Friedenskreis an der Anne-Frank-Gesamtschule diesen Antrag, der im Gemeinderat wohlwollend aufgenommen wurde. Der Wortlaut: „Havixbeck tritt dem Riga-Komitee bei – getragen von dem Willen, die Erinnerung an die ermordeten Bürgerinnen und Bürger dauerhaft zu bewahren und ihrer zu gedenken, in der Überzeugung, dass die Gräber- und Gedenkstätte Riga einen bedeutenden, die Heimatstädte umschließenden, zeitgeschichtlichen Beitrag leistet, mit dem Ziel, den auf einer langen gemeinsamen Geschichte beruhenden Beziehungen unserer beiden Länder, ihrer weiteren Entwicklung und dem Frieden in Europa zu dienen.“
Zu dem Hintergrund dieses Antrags lud nun der Friedenskreis alle Mitglieder des Gemeinderates und alle Bürgerinnen und Bürger ein.
Bürgermeister Jörn Möltgen begrüßte alle TeilnehmerInnen.

Christa Degemann-Lickes, Vorsitzende des Friedenskreises, erinnerte an das Schicksal der Familie Gerson aus Havixbeck.

Mit einem Lichtbildvortrag mit anschließendem Gespräch erzählte Winfried Nachtwei die Geschichte der Deportationen nach Riga.

Georg Schulze Bisping, lange für die CDU im Nottulner Gemeinderat, berichtete eindrucksvoll von seinen ersten Reisen nach Riga. Schulze Bisping ist der Riga-Beauftragte der Gemeinde Nottuln.

Am 13. Dezember 1941 verließ ein Deportationszug mit 390 jüdischen Frauen, Männern und Kindern aus dem Münsterland den Güterbahnhof in Münster. Mit dabei auch der Havixbecker Kurt Gerson. Nachdem in Osnabrück 200 und in Bielefeld 420 weitere Menschen in den Zug gezwungen worden waren, fuhr er Richtung Riga. Dort, im „Reichsjudenghetto“, im KZ Salaspils und Wald von Bikernieki begann der Massenmord an den jüdischen Menschen aus dem Münsterland, aus Westfalen und anderen Teilen Deutschlands. In Riga starben die weitaus meisten der über 170 Holocaustopfer des Kreises Coesfeld.
In den Tagen zuvor waren Züge mit jeweils 1000 Menschen aus Berlin, Nürnberg, Stuttgart, Hamburg, Köln, Kassel und Düsseldorf nach Riga gefahren, am 15. Dezember folgte ein Zug aus Hannover, am 27. Januar 1942 einer aus Dortmund.
Ihr Schicksal war über fast fünf Jahrzehnte weitgehend unbekannt. Die vielen Massenmörder und Helfershelfer kamen überwiegend ungeschoren davon.
1989 stieß der damalige Dülmener Geschichtslehrer Winfried Nachtwei im noch sowjetisch besetzten Riga auf die Spuren der Deportierten und lernte Überlebende von Ghetto und KZ kennen.

In seinem illustrierten Vortrag folgte Nachtwei den Spuren der Verschleppten im deutsch-besetzen Riga und dem Schicksal der wenigen Überlebenden nach Kriegsende. Als Bundestagsabgeordneter setzte sich der Referent für eine würdige „Entschädigung“ der Holocaust-Überlebenden in Osteuropa ein, die 1998 endlich durchgesetzt werden konnte.

Am Beispiel des Massengräberfeldes und der Gedenkstätte im Wald von Bikernieki schilderte Nachtwei, wie nach Jahrzehnten die Erinnerung aufbrach. Eine zentrale Rolle hatte dabei der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und das Deutsche Riga-Komitee, in dem sich inzwischen 57 Herkunftsorte der Riga-Deportationen zu einem einzigartigen Netz der Erinnerung zusammengefunden haben. In Workcamps des Volksbundes kommen alljährlich junge Leute aus Deutschland, Österreich, Lettland und anderen Ländern zusammen, um die Gedenkstätte zu pflegen und Erinnerung lebendig zu halten.
Der Vortrag verdeutlichte aber auch, wie schwierig es im Baltikum ist, vor dem Hintergrund von 50 Jahren wechselnden Okkupationen zu einer gemeinsamen Erinnerungskultur zu kommen.

Winfried Nachtwei war 1994-2009 Bundestagsabgeordneter der Grünen und heute u.a. im Vorstand von „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“ und der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen/DGVN tätig.


Foto: Im Juni 2023 fuhr eine Nottulner Delegation nach Riga (links: Georg Schulze Bisping), um dort an dem Gedenkstein „Nottuln“ Blumen niederzulegen. Georg Schulze Bisping wird von dieser beeindruckenden Reise berichten.

Roger Reinhard: „Nie wieder ist jetzt!“

„Nie wieder ist heute!“ Der Friedenskreis an der Anne-Frank-Gesamtschule gestaltete das Gedenken zum Volkstrauertag 2023

Nachdem Bürgermeister Jörn Möltgen Worte der Begrüßung gesprochen hatte, las Klaus-Gerd Greiff, FK, den traditionellen Text zum Totengedenken vor: „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker!“ Die Ansprache zum diesjährigen Gedenken hielt Roger Reinhard. Sein ganzes Leben hat sich Reinhard für Frieden und Gerechtigkeit engagiert. Als Kind hat er noch den Zweiten Weltkrieg miterlebt, auch die Nachkriegszeit und die Traumatisierung einer ganzen Generation. „Dieser Krieg steckt mir noch in den Knochen“, weiß Roger Reinhard zu berichten. Und so machte er sich ganz persönliche Gedanken zum Thema Krieg und Frieden, stellte viele Fragen – immer auch auf der Suche nach einer Umsetzung der festen Überzeugung nach diesem fürchterlichen Krieg: „Nie wieder!“ Sorgen machte sich Reinhard, dass die jungen Generation, auch viele Politikerinnen und Politiker, die den Krieg nicht mehr miterlebt haben, heute etwas zu leichtfertig vom „Kämpfen“ und „Siegen“ reden. Ähnlich hatte sich auch schon mal Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt geäußert und gefordert: „Lieber tausend Stunden verhandeln als eine Stunde aufeinander schießen!“ Nach den nachdenklichen Gedanken trug Robert Hülsbusch, FK, das Lied „Es ist an der Zeit!“ von Hannes Wader vor, Dr. Christa Degemann-Lickes, Vorsitzende der FK, zitierte aus dem Tagebuch der Anne Frank Passagen, die zeigen: „Wir dürfen niemals die Hoffnung aufgeben.“ Den musikalischen Rahmen übernahmen der Chor Cantate und die Musikschule Havixbeck. Mit der Kranzniederlegung und der Nationalhymne und der Europahymne endete das Gedenken an der kleinen Kapelle am Friedhof.

Lieder zum Jahrestag der Pogromnacht 2023

Nur die Lieder

Das ganze Konzert

Havixbeck. Aus Anlass des 85. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 lud der Friedenskreis an der AFG gemeinsam mit der VHS und der Schul- und Gemeindebibliothek am Sonntag, den 12. November zu einem Konzert mit dem Titel „Lieder der Verfolgten“ in die Bibliothek der AFG ein. Jonas Höltig und Tassilo Rinecker, trugen Lieder von Juden, Sinti und Roma, Jugendbewegungen, politisch Verfolgten, Zeugen Jehovas sowie in Konzentrationslagern entstandene Lieder vor..
Jonas Höltig und Tassilo Rinecker erzählen die packenden, traurigen und hoffnungsvollen Geschichten der Lieder und ihrer Komponisten. Dadurch findet eine bewegende Auseinandersetzung mit der individuellen Verfolgung statt. Das facettenreiche Programm stellt die Totalität der nationalsozialistischen Verfolgung dar, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
Die beiden Künstler machen seit vielen Jahren gemeinsam programmatische Musik. Durch das Singen von Liedern von Verfolgten und das Erzählen ihrer Geschichte wollen sie der Opfer des Nationalsozialismus gedenken und ein Zeichen für eine positive Erinnerungskultur setzen.

„Heinrich Böll und die Menschlichkeit“

Vortrag mit René Böll,     Sohn des Literaturnobelpreisträgers

13. Mai 2022       um 11.30 Uhr
in der Evangelischen Kirche, Schulstraße, Havixbeck

René Böll kommt nach Havixbeck und wird einen Vortrag über seinen Vater, seine Familie und deren Engagement für die Menschlichkeit halten. Der Sohn des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll, Jahrgang 1948, selbst bildender Künstler in Köln und mit vielen Ausstellungen präsent, ist in Erbengemeinschaft mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Vincent Böll der Rechtsnachfolger von Heinrich Böll und sein Nachlassbetreuer. 

Heinrich Böll, Jahrgang 1917, war als ein Autor bekannt, dessen eigene Erlebnisse als junger Soldat im Zweiten Weltkrieg großen Einfluss auf sein weiteres Werk haben sollten. Viele Menschen werden bereits in der Schulzeit einige seiner von tiefer Menschlichkeit und unbestechlichem Engagement für soziale Gerechtigkeit geprägten Erzählungen kennengelernt haben, wie z.B. die Kurzgeschichte „Wanderer, kommst du nach Spa…“, der ergreifenden Geschichte eines jungen Soldaten, dessen sinnlose, kriegsbedingte Verkrüppelung den Wahnsinn des Krieges verdeutlicht. Der Wunsch nach Aussöhnung und Völkerverständigung gehörte zu Bölls Anliegen. Er setzte sich kritisch mit dem Nationalsozialismus sowie den nationalen und internationalen Entwicklungen nach dem Krieg auseinander. Dabei schaute er stets aufmerksam über den Tellerrand und verwies u.a. auch auf Menschenrechtsverletzungen in der damaligen Sowjetunion.

Viele kennen Titel wie „Billard um halb zehn“, „Irisches Tagebuch“, „Ansichten eines Clowns“, „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ u.a.m. Bölls Werke fanden im In- und Ausland zahlreiche Leser. Der Autor wurde vielfach geehrt, wie z.B. mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln, dem Georg-Büchner-Preis und der Carl-von-Ossietzky-Medaille. 1972 erhielt Heinrich Böll den Literaturnobelpreis. Am 10. Dezember 2022 wird sich diese Ehrung zum 50. Male jähren.

René Böll hat in seinem Vortrag die gesamte Familie Böll im Blick:

„Heinrich Bölls und seiner Familie jahrzehntelanger Kampf für Menschlichkeit“

Dazu erläutert der Referent:
„Heinrich Böll und seine Familie waren unabhängig im Denken, sie gehörten weder zur Rechten noch zur Linken und konnten sich für die Freiheit verfolgter Menschen und für die Freiheit der Kunst sowohl in der UdSSR als auch in Chile zu Zeiten des Pinochet-Regimes glaubhaft einsetzen. Deswegen gerieten sie ins Visier der Stasi und des bundesrepublikanischen Verfassungs­schutzes, der westdeutschen Behörden, Politiker und großer Teile der Presse, scheuten kein Risiko und waren ungeheuren Diffamierungen ausgesetzt, hatten aber auch großen Zuspruch.“

René Böll berichtet anhand von Dokumenten und Fotos mit einem PowerPoint-Vortrag.

Der Eintritt ist frei. Es wird um eine Spende für Unicef, für afghanische und ukrainische Kinder, gebeten.

Der Friedenskreis bittet darum, Masken zu tragen.