{"id":348,"date":"2021-12-10T16:07:36","date_gmt":"2021-12-10T16:07:36","guid":{"rendered":"https:\/\/friedenskreis.de\/?page_id=348"},"modified":"2021-12-10T16:28:18","modified_gmt":"2021-12-10T16:28:18","slug":"leben-im-schatten-der-mauer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/friedenskreis.de\/?page_id=348","title":{"rendered":"Leben im Schatten der Mauer"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die ausweglose Stadt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1><em>Friedensdienst in Pal\u00e4stina<\/em><\/h1>\n\n\n\n<h2>Ein Erfahrungsbericht von Franz-Roger Reinhard<\/h2>\n\n\n\n<h1>Das Programm<\/h1>\n\n\n\n<p>Der \u00d6kumenische Rat der Kirchen (\u00d6RK) mit Sitz in Genf hat im September 2001 ein Begleitprogramm f\u00fcr Freiwillige Friedensdienste in Pal\u00e4stina und Israel ins Leben gerufen: EAPPI \u2013 Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel. Das Programm hat zum Ziel, israelische und palestinensische gewaltfreie Aktionen zu begleiten und zu unterst\u00fctzen und durch vereinte Bem\u00fchungen im Bereich \u00d6ffentlichkeitsarbeit auf ein Ende der israelischen Besatzung Pal\u00e4stinas hinzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorausgegangen war eine dringende Anfrage der christlichen Kirchen in Jerusalem und deren Partnerorganisationen nach internationaler Solidarit\u00e4t. \u00d6kumenische BegleiterInnen aus aller Welt sollen durch ihre Pr\u00e4senz ein Zeichen setzen gegen die Eskalation der Gewalt. Ihre Arbeit versteht sich als ein Beitrag im Rahmen der vom \u00d6RK ausgerufenen Dekade zur \u00dcberwindung der Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Freiwilligen k\u00f6nnen und sollen nicht die fehlenden UN-Schutztruppen ersetzen. Ihre Aufgabe ist die Begleitung und F\u00f6rderung der gewaltfreien Friedensgruppen auf beiden Seiten des Konfliktes. Sie nehmen an deren Aktionen teil und vermitteln nach ihren M\u00f6glichkeiten. Sie beobachten insbesondere die Alltagssituationen, denen die Menschen in den besetzten Gebieten ausgesetzt sind. Dazu geh\u00f6ren die vielen Kontrollpunkte der Besatzungsmacht auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit oder in das Krankenhaus. Die Freiwilligen werden Zeugen von Hauszerst\u00f6rungen und Verw\u00fcstung von Oliveng\u00e4rten auf der Route des Trennungszaunes bzw. des Mauerbaues durch die israelische Regierung. In ihren Berichten werden die allt\u00e4gliche Gewalt und die Verletzungen von Menschenrechten und Internationalem Recht&nbsp; dokumentiert und sichtbar gemacht. Damit soll die \u00f6ffentliche Berichterstattung in den Heimatl\u00e4ndern der Freiwilligen erg\u00e4nzt und ein Beitrag zur Bewusstseinsbildung geleistet werden. Zugleich kann hiermit ein Zeugnis gegeben werden, dass ein gewaltfreier Einsatz f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden auch unter den extremen Bedingungen des Nahen Ostens sinnvoll sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Grund der sich st\u00e4ndig \u00e4ndernden Situation in den besetzten Gebieten ist eine pr\u00e4zisere Beschreibung der Aufgaben nicht m\u00f6glich, denen die Freiwilligen in kleinen Teams an unterschiedlichen Orten nachkommen. Von ihnen wird ein hohes Ma\u00df an Beweglichkeit verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den unterschiedlichen deutschen Tr\u00e4gern des Programms geh\u00f6rt auch die katholische Friedensbewegung \u201ePax Christi\u201c, als deren Mitglied und mit deren besonderen Unterst\u00fctzung ich f\u00fcr drei Monate aufgebrochen bin.<\/p>\n\n\n\n<h1>Drei Monate in Sawahreh und Abu Dis- Leben zwischen Mauern und Blockaden<\/h1>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Zeit vom Februar bis April 2004 war Sawahreh mein Einsatzort. Ich lebte und arbeitete in diesem \u00f6stlichen Jerusalemer Vorort zusammen mit zwei Teamgef\u00e4hrtinnen aus den USA bzw. Schweden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren von dem \u00f6rtlichen B\u00fcrgerkomitee eingeladen worden zur Unterst\u00fctzung ihres gewaltfrei organisierten Widerstandes gegen die Mauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Sawahreh und Abu Dis sind arabisch muslimische Kommunen. Sie sind ein Brennspiegel der gegenw\u00e4rtigen Eskalation, hervorgerufen durch die Einschlie\u00dfung von Mauer und&nbsp; Stra\u00dfenkontrollen. Das Ungeheuer aus Beton schl\u00e4ngelt sich durch die Ortschaften, ein sichtbares Symbol der andauernden&nbsp; Strangulierung des pal\u00e4stinensischen Volkes durch die israelische Besatzung.&nbsp; Hier ist die Jahrtausende alte Verbindung zwischen Jerusalem und Jericho durchschnitten, der Zugang zur&nbsp; \u201eStadt des Friedens\u201c (Bedeutung des Namens Jerusalem)&nbsp; blockiert. Die Menschen stecken in einer buchst\u00e4blich ausweglosen Lage.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den H\u00fcgeln Sawahrehs k\u00f6nnen die Bewohner das Tote Meer sehen. Aber sie k\u00f6nnen nur bis zum n\u00e4chsten Checkpoint gehen. Sie k\u00f6nnen weiter sehen als sie reisen k\u00f6nnen. Sie sehen die Altstadt von Jerusalem mit der goldenen Kuppel des Felsendomes; aber ohne besondere Erlaubnis sind die Einwohner des Ortes ausgeschlossen von den wichtigen Angeboten ihres Oberzentrums.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mauer und der breite Trennungsstreifen, den ich jeden Tag wachsen sehen musste, soll den B\u00fcrgern Israels Schutz vor Terroranschl\u00e4gen durch Pal\u00e4stinenser geben. In Wirklichkeit trennt er nicht Israelis von Pal\u00e4stinensern, sondern Pal\u00e4stinenser von Pal\u00e4stinensern und provoziert neue Anschl\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen in Sawahreh nennen die Mauer offen eine Apartheidsmauer. Sie f\u00fchlen sich zunehmend eingeschlossen in einem Freiluftgef\u00e4ngnis. Ihr gesamtes Leben, von der Wiege bis zur Bahre, ist betroffen von der \u201eSchandmauer\u201c . Das kann ich am gegenw\u00e4rtigen Schicksal der Familie Z. beschreiben, in das wir f\u00fcr einige Zeit einbezogen waren, nachdem sie uns einen Teil ihrer Wohnung gegen Miete \u00fcberlie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neun Geschwister, &#8211; die Eltern sind bereits gestorben &#8211; wohnen noch ganz eng zusammen als eine Nachbarschaft. Die M\u00e4nner haben mit Beginn der 2. Intifada im Herbst 2000 ihre Arbeit und damit ihr Einkommen verloren. Einzig Hassan schafft es auf wechselnden Schleichwegen, die er niemanden preis gibt, in Jerusalem einfache Arbeiten zu finden. Er ist mit mehr als vierzig Jahren noch nicht verheiratet. Er wagt in diesen aussichtslosen Zeiten nicht, eine Familie zu gr\u00fcnden. Der \u00c4lteste, Mohamed versorgt zusammen mit seiner Frau Samiha die Ziegen, die um und zwischen den H\u00e4usern ihr karges Futter suchen. Schaf- und Ziegenhaltung ist f\u00fcr viele Menschen in Sawahreh zur einzigen Lebensgrundlage geworden und f\u00fchrt sie zur\u00fcck in die Lebensweise ihrer Vorfahren. Der Weidegrund der Familie reichte einst&nbsp; bis in die jud\u00e4ische W\u00fcste. Ihre Oliven- und Pfirsichb\u00e4ume auf der anderen Seite des Tales sind durch den Mauerbau nicht mehr zug\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<p>Hussein erwartet mit seiner Frau sein zweites Kind. Beide machen sich Sorgen dar\u00fcber, welche Klinik sie zur Entbindung erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Moussa&nbsp; lebt meist getrennt von seiner Frau Ihkla, die als Jerusalemer B\u00fcrgerin im Westteil von Sawahreh zu Hause ist, in Jabal Mukabber, und als Lehrerin arbeitet. Dort kann Moussa mit dem Westbank Personalausweis nur illegal und heimlich mit seiner Frau und seinem Sohn Ali zusammen sein. Sein Antrag auf Familienzusammenf\u00fchrung in Jerusalem wird von den israelischen Beh\u00f6rden schon seit Jahren nicht bearbeitet. Solange bleibt Sohn Ali ohne Ausweispapiere und ohne soziale Anspr\u00fcche wie z.B. auf einen&nbsp; Schulbesuch. Von solcher Art Familientrennung sind hier an die 800 Familien betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Shaheen m\u00f6chte gerne seine Braut Amina heiraten. Den Hochzeitstermin hat er schon zum zweiten Mal aufgeschoben, da ihm die finanziellen Mittel zur \u201eAusstattung\u201c der Frau und des Hausstandes fehlen.&nbsp; Mahmoud ist Student \u00e4lteren Semesters, der nie wei\u00df, ob die nahegelegene Al Quds Universit\u00e4t in Abu Dis ge\u00f6ffnet oder gerade wieder geschlossen ist. Ein regul\u00e4rer Studienbetrieb ist durch die vielen Sperren und Kontrollen seitens der Besatzung, aber auch durch Streik- und Boykottma\u00dfnahmen der Pal\u00e4stinenser sehr erschwert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ahmad, der j\u00fcngste der Familie kam gerade aus dem israelischen Gef\u00e4ngnis zur\u00fcck, wo er zwei Jahre festgehalten wurde. Sein Bruder Hassan war w\u00e4hrend der ersten Intifada sechs Jahre in israelischen Gef\u00e4ngnissen. Praktisch gibt es keine Familie, von der nicht wenigstens ein Mann diese Erfahrung gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Halima verheiratet ist und drei Kinder hat, versorgt die mit&nbsp; vierzig Jahren ungew\u00f6hnlicher weise nicht verheiratete Fatimeh die ganze Familie. Vormittags unterrichtet sie an der M\u00e4dchenschule im Ortsteil Sheik S`aad, das nur durch einen langen Fu\u00dfweg erreicht werden kann. Durch die Sperranlagen und die Stra\u00dfenblockaden sind die dort lebenden Menschen sowohl von der Westbank als auch von Jerusalem abgeschnitten. Ihnen bleibt das Leben im Gef\u00e4ngnis oder, so m\u00f6glich, das Verlassen ihrer H\u00e4user. Etwa ein Drittel der urspr\u00fcnglich 3ooo Einwohner sind bereits weggezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Gro\u00dfmutter unseres Dolmetschers aus der Nachbarschaft gestorben war, bat er uns den Leichenzug zum Friedhof zu begleiten, der gleichfalls im abgetrennten Stadtteil Sawahrehs liegt. M. darf nicht ohne Sondergenehmigung, die wiederum nur sehr selten zu erhalten ist, den Jerusalem einverleibten Ortsteil aufsuchen. Er riskiert hohe Geldstrafen, den Einzug seiner Papiere oder gar Gef\u00e4ngnis. So blieb er der Bestattungsfeier auf dem Friedhof fern. Gl\u00fccklicher weise gab es an diesem Tage keine Probleme mit Kontrollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sawahreh bietet den Kindern die Grundschulen. Zur weiterf\u00fchrenden Schulen m\u00fcssen sich die Sch\u00fclerInnen auf den Weg in den durch die Mauer abgeschnittenen Westteil bzw. nach Jerusalem machen. Diesen Schulweg habe ich in den ersten Wochen regelm\u00e4\u00dfig begleitet, da er oft von Kontrollen der Besatzungsmacht behindert wurde. Ganz zu schweigen von dem beschwerlichen \u00dcbergang \u00fcber die Stra\u00dfenblockade insbesondere bei kaltem Regenwetter .<\/p>\n\n\n\n<h1>Checkpoints &#8211; Orte der Erniedrigung<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Stra\u00dfenkontrollen, die so genannten Checkpoints, die wir t\u00e4glich zu passieren hatten oder zur Beobachtung aufsuchten, bilden nicht nur eine enorme Einschr\u00e4nkung der Bewegungsfreiheit der Bev\u00f6lkerung. Sie sind ein Ort der Erniedrigung f\u00fcr die Menschen auf ihren Wegen zur Arbeit, zur Universit\u00e4t, zur Klinik oder einfach zu ihren Verwandten&nbsp; So sind sie immer wieder der Willk\u00fcr der meist sehr jungen Polizisten und Soldaten der Besatzer ausgeliefert. Wir mussten deren gewaltsame \u00dcbergriffe und menschenverachtende Praxis bei der Kontrolle bezeugen und dokumentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation am t\u00e4glich beobachteten \u00dcbergang in Sawahreh eskalierte w\u00e4hrend dessen wochenlanger totalen Schlie\u00dfung nach der Ermordung von Scheich Jassin in Gaza. Die Menschen waren gezwungen den Checkpoint \u00fcber steile und schwer begehbare Berge zu umgehen. Dabei wurden sie die meiste Zeit von den Soldaten verfolgt und bedroht, nicht selten geschlagen. Immerhin f\u00fchrt die Hauptverbindung vom s\u00fcdlichen Teil der Westbank, von Hebron und Bethlehem nach Jericho, Ramallah und die n\u00f6rdlichen St\u00e4dte \u00fcber diesen stark befahrenen Kontrollpunkt. Unsere Beobachtungen gaben wir in schriftlicher form an die Menschenrechtsorganisation B\u00b4tselem nach Jerusalem weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur sehr selten war uns eine helfende Begleitung oder Vermittlung an diesen Orten m\u00f6glich. Gleichwohl wurde unsere Anwesenheit von den Bedr\u00e4ngten positiv wahrgenommen. \u201eEs ist gut, dass ihr da seid\u201c bekamen wir oft zu h\u00f6ren. In unserem Einsatz an den Checkpoints fanden wir uns zusammen mit den israelischen Frauen von \u201eMachsom Watch\u201c. Diese oft berufst\u00e4tigen Frauen haben sich die Beobachtung ihrer Landsleute zur t\u00e4glichen Aufgabe gemacht. Sie sind in ihrer Gesellschaft nicht gerade angesehen, haben aber auf das Verhalten der Soldaten an den Kontrollpunkten mehr Einfluss als wir. Sie \u00e4u\u00dferten uns gegen\u00fcber immer wieder ihr Entsetzen \u00fcber das, was sie sehen mussten, und sie waren sehr besorgt \u00fcber die verheerenden Auswirkungen dessen, was die Besatzung in Pal\u00e4stina anrichtet, auf die eigene Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Un\u00fcbersehbar war die \u00dcberforderung der Soldaten, denen die Macht an den Checkpoints gegeben wurde. Ihre mangelnde Ausbildung konnte durch die Ausr\u00fcstung mit der Waffe nicht kaschiert werden. Ich bin noch heute ersch\u00fcttert von der h\u00e4ufig geh\u00f6rten Antwort der Bewaffneten auf meine Nachfragen bez\u00fcglich des jeweiligen Tagesbefehles: \u201eWir hinterfragen unsere Befehle nicht!\u201c Vermutlich sind die jungen M\u00e4nner nicht vollst\u00e4ndig unterrichtet worden \u00fcber die Gesetzeslage. Auch in der israelischen Armee gibt es die Verpflichtung, einem offensichtlich unrechtm\u00e4\u00dfigen Befehl nicht zu gehorchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Alltag in Sawahreh und Abu Dis geh\u00f6ren leider auch die Hauszerst\u00f6rungen und die Ausrottung ganzer Obst- und \u00d6lg\u00e4rten. Wir sind Zeugen solcher barbarischer Akte geworden, die im Zuge der Ausdehnung j\u00fcdischer Siedlungen in der Nachbarschaft und dem Bau der Trennungsanlagen von der israelischen Regierung beschlossen werden. An irgendeine Art von Kompensationsleistungen an die so schwer in ihrer Existenz betroffenen Menschen ist dabei noch nie gedacht worden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Widerstand und Hoffnung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bl\u00fcht noch Hoffnung im Angesicht der Mauer? Unter den beschriebenen Umst\u00e4nden seinen Alltag zu bestreiten, gleichsam sein \u00dcberleben f\u00fcr sich und seine Familie zu sichern, erschien mir als besondere Form des gewaltfreien Widerstandes der Menschen in Sawahreh. Obwohl der Druck im Kessel steigt und niemand wei\u00df, wie es nach der Vollendung des Mauerbaus weitergehen kann, gibt es keine Neigung zu Gewaltanwendung. Da\u00df Jugendliche gelegentlich den Armeefahrzeugen n\u00e4chtlich kleine Stra\u00dfenblockaden bereiten oder bei Demonstrationen gerne Steine in Richtung der Soldaten werfen, das widerspricht dem nicht. Es gibt noch viele Menschen in Sawahreh, die auch nach 37 Jahren Besatzung nicht resigniert haben und sich weigern, ihre Stadt f\u00fcr immer zu verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren an der Vorbereitung zweier Demonstrationen gegen die Mauer beteiligt, die das \u00f6rtliche Komitee organisiert hatte. Wir fanden uns vor der Mauer in Abu Dis zusammen mit anderen Internationalen und vielen israelischen Friedensaktivisten. Die Demonstration am 23. Februar wurde nach friedlichem Verlauf schlie\u00dflich gewaltsam unter Einsatz von Tr\u00e4nengas und Granaten der Besatzer aufgel\u00f6st. W\u00e4hrend die Soldaten anschlie\u00dfend den Ort durchk\u00e4mmten und weiter schossen, verbreiteten sie Angst und Schrecken unter den Einwohnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erw\u00e4hnte B\u00fcrgerkomitee versucht Br\u00fccken zu schlagen \u00fcber die Mauer. Sie laden israelische B\u00fcrger zu einem Besuch in Sawahreh ein, organisieren Jugendtreffs zwischen Israelis und Pal\u00e4stinensern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hoffnung der Pal\u00e4stinenser ruht nicht zuletzt auf der Hilfe durch die europ\u00e4ische Staatengemeinschaft, trotz Entt\u00e4uschung \u00fcber deren Unentschlossenheit gegen\u00fcber der Unterst\u00fctzung Israels durch die USA.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich setze meine Hoffnung in die israelischen Kriegsdienstverweigerer jeden Alters und Ranges. Ich vertraue der wachsenden Zusammenarbeit der meisten israelischen Friedensgruppen mit pal\u00e4stinensischen Menschenrechtsorganisationen. Besonders beeindruckt bin ich von der Begegnung mit Menschen vom \u201eFamilies Circle\u201c. Hier treffen sich Familien von beiden Seiten des Konfliktes, die Opfer der Gewalt zu beklagen haben. Sie sind aus dem Teufelskreis der Rache ausgestiegen, nachdem sie ihr Leid geteilt und als ein gemeinsames erfahren haben. Sie arbeiten nun f\u00fcr Verst\u00e4ndigung und Vers\u00f6hnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Hoffnung habe ich angesichts der gemeinsamen Erziehung von israelischen und pal\u00e4stinensischen Kindern in verschiedenen Einrichtungen im Lande, besonders in Jerusalem.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich gelernt habe<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glichkeiten und Grenzen eines Friedensdienstes: eine Rinne graben im ausgetrockneten Land<\/p>\n\n\n\n<p>Das Teilhaben am Leben der Menschen in Pal\u00e4stina unter den sehr erschwerten Bedingungen hat mir nahe gelegt, den Konflikt in Nahost etwas anders zu sehen: Es geht um menschenw\u00fcrdiges Leben und Zusammenleben zuerst. Und dazu geh\u00f6rt das Land; noch immer geht es um Land und nicht um den Kampf der Kulturen oder Krieg gegen den Terrorismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die praktizierte Solidarit\u00e4t in den drei Monaten meines Einsatzes galt in erster Linie den Betroffenen der andauernden israelischen Besatzung. War sie deswegen einseitig? Das Programm schreibt den Freiwilligen Unparteilichkeit im Konflikt als Voraussetzung&nbsp; vor. Die Solidarit\u00e4t gilt den Opfern auf beiden Seiten wie den StreiterInnen f\u00fcr gewaltfreie Friedensarbeit. Immer gilt es Menschenrechte zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine \u201eSeite\u201c ist ein gerechter Ausgleich und die israelische Besatzung als Zentrum der Diskussion. Eine offensichtliche Einseitigkeit, eine deutliche Asymmetrie&nbsp; besteht zwischen Israel und Pal\u00e4stina bez\u00fcglich der milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Macht. Israel ist als einziger staatlicher Akteur in besonderer Verantwortung f\u00fcr die Entwicklung aus der Sackgasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach meiner \u00dcberzeugung ist eine ver\u00e4nderte Wahrnehmung des Konfliktes in der Welt\u00f6ffentlichkeit notwendig, die von den israelischen \u201eVorgaben\u201c der Tagesordnung bestimmt ist. Es braucht einen neuen Rahmen, in dem f\u00fcr eine dauerhafte und gerechte L\u00f6sung, die der pal\u00e4stinensischen Forderung nach einem gerechten Frieden genauso Raum gibt wie dem israelischen Bed\u00fcrfnis nach Sicherheit. Das schlie\u00dft einen regionalen Frieden und regionale Entwicklung durch Integration ein. So k\u00f6nnen beide nur gewinnen, nachdem l\u00e4ngst klar ist, dass keiner den anderen Kontrahenten besiegen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rolle der Freiwilligen im Friedensdienst als Nichtpartei im Konflikt ist nicht leicht durchzuhalten. Gleichwohl ist sie Grundlage jeden m\u00f6glichen Erfolges.<\/p>\n\n\n\n<p>Die besondere St\u00e4rke des Freiwilligendienstes erlebte ich in der N\u00e4he zu den Menschen. Das Teilen des Alltags f\u00fcr einige Zeit ist ein nicht unwesentlicher Teil der Solidarit\u00e4t und des bezeugten Friedenswillens. Anteil nehmen und zuh\u00f6ren, das Erfahrene aushalten mit den Betroffenen, das ist der immer m\u00f6gliche Beistand.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sicher geht es nicht darum, sich zwischen die hei\u00dfen Fronten zu werfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist die Arbeit der Freiwilligen wie das Anlegen einer Rinne im ausgetrockneten Land, damit das Wasser den Weg zu den Menschen findet, wenn der ersehnte Regen kommt&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerne stehe ich f\u00fcr R\u00fcckfragen zur Verf\u00fcgung. Zugleich bin ich bereit vor interessierten Menschen zu berichten und mit ihnen zu diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kontakt: Franz-Roger Reinhard<\/em>  <em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Masbecker Heideweg 4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 48329 Havixbecke-mail: <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Telefon: 02507 &#8211; 7951<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ausweglose Stadt Friedensdienst in Pal\u00e4stina Ein Erfahrungsbericht von Franz-Roger Reinhard Das Programm Der \u00d6kumenische Rat der Kirchen (\u00d6RK) mit Sitz in Genf hat im September 2001 ein Begleitprogramm f\u00fcr Freiwillige Friedensdienste in Pal\u00e4stina und Israel ins Leben gerufen: EAPPI \u2013 Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel. 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